Lernen beginnt mit dem Körper

Lernen beginnt mit dem Körper

Sieht man sich die Entwicklung eines Neugeborenen an, so lernt das Baby ganzheitlich. Der Körper und Kognition sind eine Einheit. Das Kind von sich aus würde nie auf die Idee kommen, diese beiden zu trennen.

Diese Einheit Körper und Geist ist die wichtigste Säule meiner Lernmethode “Lernen beginnt mit dem Körper”

Entstehung der Lernmethode

Ich arbeite seit mehr als acht Jahren mit Kindern, die sensorische Integrationsstörungen, Teilleistungsschwächen oder Lese- und Rechtschreibschwächen haben, sowohl in eigener Praxis als auch in der Schule. Außerdem führe ich seit fünf Jahren die Schülerbeobachtung bei den jährlichen Schülereinschreibungen durch. Beim Austesten der Kinder und bei den Schuleinschreibungen habe ich äußerst interessante Beobachtungen gemacht: 80% der Kinder, die in die Schule kommen, haben Defizite in der visuellen Figurgrunddifferenzierung, in der visuellen Differenzierung, in der visuellen Raumorientierung (siehe Arbeitsvorlage). Ebenso motorische Defizite sowohl in der Grob,- als auch in der Feinmotorik.

Wie sieht die praktische Arbeit aus?

Seit dem Schuljahr 2004/05 führe ich eine Klasse (derzeit 3. Klasse) und habe einen komplett neuorientierten Unterricht gestaltet. Ich arbeite lese und rechtschreibschwächend präventiv, um die Schwäche zu mindern bzw. vielleicht sogar zu verhindern. Ich möchte hinzufügen, dass diese Art zu unterrichten keineswegs nur für Schüler, bei denen keine Beeinträchtigungen vorliegen, gedacht ist, sondern für alle SchülerInnen. Mir persönlich ist es wichtig, dass die PädagogInnen diese Einheit in ihrem Unterricht auch leben, denn vor allem im ersten und zweiten Schuljahr reagieren die Kinder noch ganzheitlich auf ihre Umwelt. Dafür habe ich einen fächerübergreifenden Unterricht, der sehr viel psychomotorische Übungen beinhaltet und auch im Turnsaal stattfindet gestaltet. Spezielle Arbeitsblätter, die vor allem auf die oben erwähnten Defizite eingehen sind von mir entworfen worden. Die Buchstabenreihe habe ich nicht nach der Reihe der österreichischen Fibeln konzipiert, sondern wegen der großen feinmotorischen Schwierigkeiten der Kinder, habe ich im gesamten ersten Semester ausschließlich mit Großbuchstaben gearbeitet und die Buchstaben nach ihrer Schwierigkeit im Schreiben gereiht. Daraus entstand eine Lernmappe für die erste Klasse Grundschule.

Meine Vorgehensweise basiert vor allem auf dem Buch von Christine Mann mit dem Titel „LRS-Prävention und Therapie”, sowie aus Büchern, die das Thema sensorische Integration behandeln, sowie bereits meine langjährigen Erfahrungen und Beobachtungen. Meine SchülerInnen können alle lesen und zwar „richtig” lesen und nicht raten, obwohl diese Klasse aus sehr vielen Kindern (war so geplant) mit TLS-Schwächen besteht. Ich arbeitete in der ersten und im ersten Semester der zweiten Klasse ausschließlich mit lautgetreuen Wörtern, da jede Rechtschreibschwierigkeit ganz einfach noch zu früh ist und Regeln erst aller frühestens mit neun Jahren von der Entwicklungspsychologie her verstanden werden können. Die Lesesynthese steht am Anfang der ersten Klasse absolut an erster Stelle, denn eine funktionierende Synthese wirkt sich auf die Rechtschreibung aus. Hierbei kann ich auch nur Positives über meine Klasse berichten: Sie ordneten dem gehörten Laut den richtigen Buchstaben zu. In der zweiten Klasse wird der Grundwortschatz langsam ausgeweitet.

Zusammenfassend möchte ich noch einmal meine Methode, die auf vier Säulen basiert und die wichtigsten Lernziele, anführen:

  • Die Methode ist kindzentriert: Sie stellt das Kind in den Mittelpunkt, daher wird es von seinem momentanen Entwicklungsstand abgeholt, wo es sich gerade befindet. Es handelt sich daher um einen Lernprozess auf den die LehrerInnen individuell eingehen.
  • Psychomotorik: Intellektuelle Inhalte werden mit Bewegung verbunden.
  • Genaues Differenzieren wird mit Hilfe von speziellen Arbeitsblättern gefordert und somit gefördert, was zu einer deutlich erkennbaren Verbesserung in der visuellen Differenzierung führt.
  • Festigung der Lerninhalte: Im Lernstoff wird erst dann weitergegangen, wenn die Schüler das Gelernte wiedergeben können und der Lehrstoff jederzeit abrufbar ist.

Lernziele:

  • SS unterscheiden Symbole (Buchstaben).
  • SS begreifen (kneten) Buchstaben.
  • SS ordnen dem Buchstaben den richtigen Laut zu.
  • SS ordnen dem Laut den richtigen Buchstaben zu.
  • SS hüpfen, klatschen und springen die Silben von Wörtern.
  • SS teilen die Wörter in Silben auf.
  • SS lesen und schreiben Silben.
  • SS lesen und schreiben Auf- und Abbauwörter.
  • SS lesen und schreiben Pseudowörter.
  • SS buchstabieren lautgetreue vorwärts und rückwärts in Verbindung mit Bewegung.
  • SS schreiben lautgetreue Wörter.
  • SS setzen fehlenden Buchstaben eines Wortes ein.
  • SS lesen kleine Geschichten und beantworten die dazu gestellten Fragen.

Jeder neu erlernte Buchstabe wird zuerst mit der Knetmasse und anderen Materialien (Wolle, Sand, Fingerfarben, Buntpapier, Krepppapier) geformt oder gestaltet.

Jeder neue Buchstabe wird mit einer Schnur gelegt und abgegangen. Zuerst ohne Spiegel, dann mit Spiegel.

Wegen der sensorischen Wahrnehmung ist die Übung ohne Schuhe zu machen.

Die Fühlbox:

Die Kinder ertasten die Buchstaben und die dazugehörigen Tiere (der gleiche Anfangsbuchstabe).

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